Schimmel im Haus?

Auf jeden Fall entsteht Schimmel aufgrund ständiger oder langanhaltender Feuchtigkeit an einem Bauteil. Wie es zu Feuchtigkeit kommt, ist zu klären:
  • sie kann von Kochkesseln herrühren, die im Raum dauernd unter Dampf stehen, und der Dampf wird nicht oder unzureichend abgezogen;
  • sie kann ganz einfach von den Bewohnern selbst stammen: jeder Mensch gibt täglich 1 - 1,5 l Dampf ab, beim Duschen/ Baden geht 1 l Dampf ab, der Wäschetrockner liefert 1 - 3,5 Liter Dampf; Zimmerblumen und Topfpflanzen geben auch nicht geringe Mengen von 0,5 – 1 Liter Dampf ab.
  • sie kann von außen eindringen über undichte, ans Erdreich grenzende Bauteile.
  • Ganz von alleine entsteht sie unter bestimmten Voraussetzungen als feuchtes Kondensat (Tauwasser) an Bauteilen, die nach außen grenzen: hinter dem Kasten, im Bad, in der Küche, in der Ecke ...

In diesen Fällen handelt es sich wahrscheinlich um Schimmel, der aufgrund falscher Wärmedämmung und unzureichender Lüftung entstanden ist.

Das Phänomen der Kondensation kennen Sie von der eiskalten Milchflasche: stellen Sie sie auf den Tisch in der warmen Küche, bildet sich an der Außenseite sofort Kondensat (=Dampf). Das liegt daran, dass die warme Luft in der Küche ein bestimmtes Maß an Feuchte tragen kann, ohne dass sich diese Feuchte niederschlägt (bei 20°C bis zu 17,3 g/m³). Die Luftschicht, die an die kalte Milchflasche grenzt, wird dort abgekühlt, z.B. auf 10°C, bei dieser Temperatur können nur mehr bis zu 9,39 g/m³ gehalten werden. Ist der Feuchtgehalt an dieser Stelle höher, liegt er etwa auf 12 g/m³, so schlägt sich die Differenz (12-9,39= 2,61g/m³) auf dem Glas sofort als Dampf nieder.

Nicht so schnell, aber auch unweigerlich entsteht Kondensat an Ihren Wänden, wenn
  • die Wand unzureichend gedämmt ist (siehe Infoblatt "Wärmedämmung"). Feuchte bildet sich aber auch, wenn ein Schrank dicht an eine schlecht gedämmte Wand gestellt wird;
  • der Raum unzureichend belüftet ist, (siehe Infoblatt "Richtiges Lüften");
  • das wegen niedriger Außentemperatur entstandene Kondensat nicht aus der Wand entweichen kann, wenn die Außentemperatur (z.B. durch die Sonnenstrahlen) ansteigt und der Dampf somit verdunsten könnte. Eine Außenwand sollte im Normalfall von innen nach außen immer besser den Dampf durchlassen.
  • der Raum nicht beheizt wird, aber die Tür zu beheizten Räumen offen bleibt. Kalte Luft kann weniger Wasserdampf aufnehmen und somit bildet sich auf der kalten Oberfläche (z.B. Wand) Kondensat und Schimmel.

Dampf, der nicht nach außen entweichen kann, weil z.B. die Außenhaut nicht dampfdiffusionsoffen ist, lässt sich an manchen Außenfassaden beobachten: zuerst entstehen Blasen unterm Putz oder unter der Farbe, dann brechen Putzteile ab.

In diesem Zusammenhang ist zu ergänzen, dass sich die Baustoffe auch nach ihrer Fähigkeit unterscheiden, Feuchtigkeit aufzunehmen, zu speichern und später wieder abzugeben. Durch entsprechende Wahl der Baustoffe (auch der Inneneinrichtung bis hin zu den Teppichen!) kann somit ein plötzlich auftretender Feuchtschwall unmittelbar gespeichert und danach wieder abgegeben werden, ohne dass die Feuchte Schaden anrichten kann. Am meisten Feuchte aufnehmen/ wieder abgeben kann z.B. Lehm, der dadurch eine exzellente Feuchte regulierende Wirkung erzielt.

Material:

Beton- & Zementputz, Anstrich durchlässig: 9 g/m²
Gipskartonplatte, Anstrich durchlässig: 22 g/m²
Fichte/Tanne natur, 2x lasiert: 32 g/m²

Wärmebrücken

Eine Balkonplatte, welche ohne Unterbrechung von der Decke ins Freie ragt, verhält sich wie eine Kühlrippe an der Außenluft: sie leitet im Winter Wärme nach draußen ab und im Sommer nach innen. Das ist eine hierzulande leider oft praktizierte Wärmebrücke.
Von Natur aus sind die Hausecken "geometrische" Wärmebrücken an denen sich Feuchte niederschlagen und Schimmel entstehen kann, wenn dem nicht durch entsprechende Zusatzdämmung vorgebeugt wird.

Dampfdiffusionsdiagramm = Glaserdiagramm

Aus den Dampfdiffusionsbeiwerten µ [mü], der Wärmeleitfähigkeit, l [lambda] und der Dicke der Baustoffe kann unter Einbeziehung der örtlichen Klimabedingungen berechnet werden, ob und an welcher Schicht sich Kondensat bilden wird. Durch entsprechende Wahl der Stoffe und der Schichtdicken kann gegengesteuert bzw. es können Dampfsperren eingeplant werden, was aber nur eine Notlösung darstellt und nach Möglichkeit vermieden werden sollte.

Dampfdiffusionsbeiwert µ einiger Materialien

Kalkzementmörtel: 15/35
Beton: 70/150
Lochziegelmauerwerk: 5/10
Korkplatte: 5/10
Polystyrol extrudiert: 80/300
Glas: unendlich

Durch dauernde Feuchte können Bauschäden an Bauteilen entstehen, die sogar die Statik beeinträchtigen.

Gesundheitsgefahren durch Feuchte:

  • warmfeucht: es bilden sich Mikroorganismen - Gefahr von Infektionen und allergische Erkrankungen
  • kühlfeucht: rheumatische Erkrankungen, generelle Abwehrschwäche

Konsequenz

Schimmel als Symptom für zuviel Feuchte darf nicht ertragen, nicht durch permanente chemische Keulen (starke Fungizide) vorübergehend beiseitegeschoben werden. Langfristig muss die Entstehungsursache dafür beseitigt werden. Ist der Grund trockengelegt, kann noch vorhandener Schimmel durch weißen Weinessig (macht keine Flecken), hochprozentigem Alkohol bzw. Brennspiritus (70%) beseitigt werden!

Vorbeugen!

  • Für ausreichend große Wohnflächen pro Person sorgen, damit genügend Luftraum vorhanden ist zur Pufferung der entstehenden Luftfeuchte!
  • Durch gute Außenteildämmung (Wand, Decke, Boden) für hohe Oberflächentemperaturen auf deren Innenseite sorgen: ist der Unterschied zwischen der Lufttemperatur in Raummitte und der Oberflächentemperatur geringer als 4°C, kann sich kaum Kondensat bilden!
  • Wasserdampfaufnahmefähige Materialien für die Wände, Decken und Einrichtung, vor allem für deren Oberflächen einsetzen (also keine Kunststoffbeschichtungen, Vinyltapeten, Betondecken, PVC-Böden)!
  • Ausreichend und gleichzeitig energiebewusst lüften: 0,5 bis 0,8 Mal pro Stunde ein vollständiger Luftwechsel (5 min.Stoßlüften, alle 2 Stunden in normal isolierten Wohnungen, mechanisch kontrolliertes Lüften in solchen mit guter Isolierung)

Wer hat Schuld?

Der Käufer oder Mieter einer Wohnung hat das Recht auf deren Mangelfreiheit und das Auftreten von Schimmel ist ein gesundheitsgefährdender Mangel. Bei Auftreten von Schimmel ist der Mangel schriftlich zu melden. Für dessen Beseitigung sind Fristen zu setzen. Der Mieter kann gleichzeitig eine Mietsenkung, der Käufer einen Preisabschlag fordern. Wird der Schaden nicht beseitigt, können Käufer wie Mieter auf Mangelbeseitigung nebst Folgekosten wie feuchtigkeitsgeschädigte Möbel bis hin zu Übersiedlung klagen. Umgekehrt wird die Gegenpartei behaupten, der Schimmel sei durch falsches Heizen/ Lüften verursacht worden und ihrerseits Klage auf Beseitigung erheben bzw. mit Kündigung des Mietvertrags drohen. Ein Gutachter kann nach den Ursachen forschen, es kann zu einem gerichtlichen Beweisverfahren kommen mit Einschaltung weiterer Gutachter und ungewissem, kostenintensivem Ausgang. Besser ist da der Weg über eine Schlichtungsstelle - die VZS bietet Ihnen diese Möglichkeit an. Auch dazu empfiehlt sich eine klare Beweisführung bezüglich:

  • des Vorliegens des Mangels
  • unzureichender Dämmung der Bauteile (Glaserdiagramm) oder
  • Lüftungs- und Heizungsgewohnheiten der Bewohner.


Infoblatt - Stand: 11/2005
Vom Ministerium für wirtschaftliche Aktivitäten (MAP) mitfinanziertes Projekt