Damoklesschwert offene Pensionsfonds-Vorsorgepolicen (PIP,FIP)


Aufsichtsbehörde COVIP deckt überhöhte Verwaltungsspesen auf Zusatzrentenversicherungen auf



Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt hat im Mai die Aufsichtsbehörde über die Pensionsfonds ihren Bericht über das Jahr 2002 abgeliefert. Die mehrere hundert Seiten starke Schrift enthält interessante Informationen, bringt aber auch eine deutliche Ernüchterung in die Euphorie, welche die Gesellschaften unter den Anlegern in den letzten Jahren verbreitet haben. (www.covip.itunter „relazione annuale 2002“).

Das Thema betrifft diejenigen, welche ihren Lebensstandard auch im Alter halten wollen und dies den gesetzlichen Vorsorgesystemen allein nicht zutrauen. Viele von ihnen haben in den letzten Jahren zur zusätzlichen Absicherung Lebensversicherungen abgeschlossen. Doch Vorsicht – Altersvorsorge ist kein Versicherungs-, sondern ein Geldanlageproblem! Dies hat auch der vorgelegte Bericht der Aufsichtsbehörde einmal mehr bestätigt.

Die Untersuchung der Kostenstruktur der individuellen Rentenversicherungspolicen basierte auf folgenden Punkten:

  • Simulation der Verwaltungsspesen auf die bezahlten Prämien, auf das Vermögen und beim Einstieg (die Einstiegskosten werden in 54% der untersuchten Policen angewandt und betragen durchschnittlich 23% mit Spitzen bis zu 80%);
  • Berücksichtigung von Bonuszahlungen (z.B. nach 5 Jahren) mit teilweisen oder gesamten Rückzahlungen der Eintrittskosten;
  • Homologierung der verschiedenen Kostenstrukturen wie bei offenen Pensionsfonds für einen Versicherten mit einer Jahresprämie von 2.500 € und einer Nominalrendite von 4,5% für eine Elementarpolice.

Individuelle Vorsorge-Policen: Schätzung der gesamten Kommissionen nach Typologie des Produktes
(Jahr 2002; Prozentuelle Werte)

  Verwaltungskosten auf 1. Prämie 3 Jahre 10 Jahre 35 Jahre

Unit linked

Vorgesehen
Nicht vorgesehen
Total
11,3
4,9
9,6
3,4
3,0
3,3
1,8
2,4
2,0

Traditionell
Vorgesehen
Nicht vorgesehen
Total
9,1
5,0
7,6
2,8
2,4
2,7
1,5
1,5
1,5

Total

Vorgesehen
Nicht vorgesehen
Total
10,8
4,9
9,0
3,2
2,8
3,1
1,7
2,1
1,8

Aus der Analyse der COVIP geht hervor, dass ein Versicherter, welcher nach 3 Jahren umsteigen möchte, im Durchschnitt eine Kommission von fast 8% bei Vorsorgepolicen (PIP-FIP) (gekoppelt mit traditionellen Versicherungspolicen) und von fast 10% für Vorsorgepolicen, die mit sogenannten fondsgebundenen Lebensversicherungen (unit linked) gekoppelt sind, zu tragen hat. Hat jemand dabei eine Zusatzrentenversicherung mit Einstiegskosten abgeschlossen, so liegen die jährlichen Gesamtkosten bei 11%, während jemand ohne Einstiegskosten einer jährlichen Belastung von 5% ausgesetzt ist.

Hervorgehoben hat die Aufsichtsbehörde auch, dass erst nach 35 Jahren akzeptable Verwaltungskosten von jährlich 1,5 bis 2,4% anfallen.

Die ISVAP meint dazu:

Der Präsident der Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen mahnt zur Vorsicht bei Lebensversicherungen: „durch potentiell überhöhte Renditeversprechungen werden den Unterzeichnern finanzielle Risiken auferlegt, deren Ausmaße oft nicht leicht vorhersehbar sind“.
„Den Versicherten Risiken zu übertragen die ihnen nicht das eingezahlte Kapital garantieren (...) ist ein Widerspruch zur Versicherung, der ihre natürliche Funktion zerstört und das von den Versicherten in den Versicherungsmarkt gebrachte Vertrauen schwinden läßt“.

Der Kommentar der VZS:

„Wenn man zu den Verwaltungskosten noch die jährliche Inflation berücksichtigt, so sind die Renditen, welche notwendig sind, um auch nur das angesparte Geld wieder zu bekommen, auf diesem Markt nicht leicht zu erzielen.
Der derzeitige Boom beim Abschluß von Rentenvorsorgeversicherungen ist ein Damoklesschwert für den sorgenfreien Lebensabend, da es sehr leicht zu Versorgungslücken kommen kann“.
Kritisch ist auch die Transparenz der angebotenen Versicherungsprodukte zu bewerten. Sie läßt keine leichte Vergleichsmöglichkeit zu, da die Kostenstruktur sehr verschieden und eine „Einheitskommission“ nicht vorgesehen ist. Weiters sind die Vertragsbestimmungen sehr „technisch“ abgefaßt.

Angesichts dieser „mageren“ Aussichten rät die Verbraucherzentrale:

  • Eine angemessene Finanzplanung sollte schon in jungen Jahren angegangen werden;
  • Ein anzustrebendes Ziel, ist eine eigene schuldenfreie Wohnung fürs Alter;
  • eine Entscheidung zwischen Wohneigentum, Zusatzrente, Wertpapieren, Lebensversicherungen oder Fondssparplänen ist nicht leicht. Auf jeden Fall sollte vorher die Broschüre: „Lebensversicherung – Eine gute Altersvorsorge?“ (www.verbraucherzentrale.it unter Rubrik „Download“) gelesen werden.
  • Wer im Alter monatlich 500 Euro "Zusatzeinkommen" haben möchte, muss bis zum Ende seiner Erwerbstätigkeit ein Vermögen von rund 75.000 Euro bilden, was - um es noch einmal zu wiederholen - nicht durch langfristige Kapital-Lebens- oder private Rentenversicherungen, sondern über bessere Geldanlagen (Sparzinsen, Obligationen, Aktien, Aktienfonds, Immobilien) geschehen sollte;
  • Vor dem Abschluß einer Vorsorgepolice oder einer Kapital-Lebensversicherung auf jeden Fall den Beitritt zu einem geschlossenen Zusatzrentenfonds (z.B. Laborfonds, welcher von den Sozialpartnern gegründet wurde) überlegen, erst dann sollte ein offener Zusatzrentenfonds in Frage kommen; die Kostenstruktur ist zu beachten (offene sind günstiger als Vorsorgepolicen PIP,FIP) und entscheidet oft über die Güte des Abschlusses;
  • Die Investition in einen offenen Pensionsfonds und in eine Vorsorgepolice-PIP/FIP sowie in eine Kapitallebensversicherung hat einen mittel- bis langfristigen Horizont und ist unflexibel. Diese Produkte werden von Banken, Versicherungen und Finanzvermittlern vertrieben. Das Spargeld kann dabei im allgemeinen in 3 Risikoschienen angelegt werden: vorsichtig, dynamisch und aggressiv. Dabei steigt der Aktienanteil je nach Risikoschiene. Da am Ende der Laufzeit der Großteil des angereiften Kapitals in eine Rente umgewandelt werden muß, ist die effektive Rentenhöhe fast nicht abschätzbar. Es werden nämlich die dann gültigen durchschnittlichen Lebenserwartungszeiten, wie jährlich vom ISTAT festgestellt, angewandt. Dies führt, aufgrund des ständig steigenden Lebensalters der Bevölkerung, tendenziell zu einer geringeren effektiven Rente;
  • Die steuerliche Abschreibbarkeit überprüfen und sich bestätigen lassen;
  • Bezüglich der individuell richtigen Absicherung ist auch der Versicherungscheck der Verbraucherzentrale hilfreich (www.verbraucherzentrale.it unter der Rubrik Versicherung und Vorsorge).