"Bio"- logisch?

Ist Gemüse, angebaut zwischen konventionell bearbeiteten Apfelbäumen und selbst nicht extra gespritzt, schon „Bio“-Gemüse? Deutet das Markenzeichen "Marienkäfer" der integriert anbauenden Landwirte nicht auf reine Natürlichkeit hin? Antworten auf diese Fragen zu geben oder zu erhalten, ist für VerbraucherInnen oft gar nicht so einfach. Zu unübersichtlich ist die Materie, nicht zuletzt wegen einer oftmals in die Irre führenden Werbung, z.B. in Bezug auf Anbauarten, die mit der biologischen nicht das Geringste zu tun haben.

WAS HEISST HIER EIGENTLICH "BIO"?

In Südtirol gibt es etwa 300 biologisch wirtschaftende Bauern, die z. T. in Anbauverbänden organisiert sind. Diese Anbauverbände haben, aus unterschiedlichen Traditionen kommend, unterschiedliche Vorstellungen davon, was "biologisches Anbauen" heißt. Gemeinsam ist allen aber, dass

  • keinerlei chemisch-synthetische Spritzmittel (Insektizide, Fungizide, Akarizide) verwendet werden;
  • ohne Unkrautvernichtungsmittel (Herbizide) gearbeitet wird. Stattdessen wird der Boden gezielt mechanisch bearbeitet;
  • die Anwendung von Kunstdünger verboten ist. Stattdessen wird sorgfältige Kompostwirtschaft betrieben, werden organische Düngemittel eingesetzt und der Boden gezielt gelockert.

Gemeinsam ist diesen Anbauverbänden auch, dass ihre Mitglieder sich verpflichten, die jeweiligen Anbau und EU-Richtlinien einzuhalten, was mindestens einmal im Jahr durch vereinsinterne und EU-Betriebskontrollen überprüft wird.

In Südtirol gibt es:

  • die biologisch-dynamisch arbeitenden Bauern, die ihre Produkte als "Demeter"-Ware verkaufen. Ihre Anbaurichtung ist zurückzuführen auf den Anthroposophen Rudolf Steiner, der 1924 die Grundsteine auf natur- und geisteswissenschaftlicher Basis unter Einbezug der Planeteneinflüsse legte.
    Informationen: Tel. 0473/561199
  • die naturwissenschaftlich orientierte organisch-biologische Anbauweise, die in den 30iger Jahren durch den Schweizer Hans Müller begründet und durch den deutschen Mediziner Rusch vervollständigt wurde. Sie wird im deutschen Sprachraum von mehreren Anbauverbänden getragen, in Südtirol durch die "Bioland-Regionalgruppe" und Naturland.
    Informationen: Tel. 0471/256977
  • den Bund Alternativer Anbauer (BAA), der seit 1987 als lokaler Anbauverband arbeitet. Sein Ziel ist es, nach den Grundsätzen biologisch-dynamischer und organisch-biologischer Wirtschaftsweise die eigenen Anbaurichtlinien konsequent anzuwenden, z.B. weder Kupfer noch Schwefel im Anbau zu verwenden.
    Informationen: Tel. 0473/742008.

Wie werden Bio-Lebensmittel gekennzeichnet?

Die Begriffe „biologisch“ und „ökologisch“ sind laut EU-Bio-Verordnung (EGVO 2092/91) geschützt und dürfen nur für entsprechend angebaute und kontrollierte Bio-Lebensmittel verwendet werden. Auf dem Etikett kann also z.B. „Biologischer“, „Ökologischer“ oder „Kontrolliert biologisch/ökologischer“ Anbau stehen oder Abkürzungen wie „Bio“ oder „Öko“ verwendet werden. Die Kennzeichnung „Ökologische Agrarwirtschaft–EWG-Kontrollsystem“ und die Angabe des Namens und/oder der Nummer des EU-Kontrollorgans ge-ben an, dass dieses Lebensmittel laut Bio-EU-Regelung hergestellt und von anerkannten EU-Kontrollorganen kontrolliert wurde. Auf dem Etikett kann der Bio-Anbauverband angegeben sein, bei dem der Hersteller Mitglied ist.
Für Lebensmittel, die aus mehreren Zutaten zusammengesetzt sind, gilt folgende Kennzeichnungsregelung:
  • Besteht das Produkt zu 95% aus Bio-Produktion, darf die Bezeichnung "Biologisch" bzw. "Ökologisch" geführt werden.
  • Sind weniger als 95%, aber mindestens 70% der Zutaten ökologisch erzeugt, dürfen diese in der Zutatenliste als solche gekennzeichnet werden - in der Regel mit einem Sternchen und einer Fußnote.

WORAUF SOLLTEN VERBRAUCHER/INNEN ACHTEN?

Achten Sie auf die Angaben für biologisch angebautes Obst und Gemüse. Nur bei Produkten aus kontrollierten Betrieben mit obiger Kennzeichnung können Sie sicher sein, dass die jeweiligen Richtlinien zum biologischen Anbau eingehalten wurden. Finden Sie lose Lebensmittel, die nur als "Bio"- oder "Öko"-Ware gekennzeichnet sind oder mit Werbespots wie "naturnah", "gesund", "im Lot mit der Natur", "biolandecht" usw. versehen sind, dann fragen Sie nach der Zugehörigkeit zu Anbauverbänden und nach der Herkunft. Gibt es darauf keine glaubhaften Antworten, können Sie aufgrund der mangelnden Kontrolle nicht sicher sein, dass die Ware aus biologischem Anbau stammt.

Verwechseln Sie übrigens nicht den "integrierten Anbau" mit dem Marienkäfer als Markenzeichen mit dem biologischen Anbau. Der integrierte Anbau verwendet chemisch-synthetische Spritz- und Unkrautvernichtungsmittel und auch Kunstdünger. Er hat also mit dem biologischen Anbau nichts zu tun.

Auch der "grüne Punkt" ist kein Symbol für biologischen Anbau und ist auch nicht Garantie für ökologische Verpackungen.·

  • Bevorzugen Sie Obst und Gemüse aus dem einheimischen biologischen Anbau. Sie unterstützen damit nicht nur die Südtiroler Bio-Landwirtschaft, sondern leisten auch einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz (z.B. Transportverminderung).

Das bedeutet, dass Sie darauf achten sollten, saisongemäß einzukaufen. Biologisch angebaute Birnen im Mai, z.B. aus Südamerika kommend, müssen nicht auf dem Speiseplan sein.

Biologische Landwirtschaft in Südtirol

Biobetriebe* 625
Bioflächen
Obstbau 1216 ha
Weinbau 219 ha
Acker- und Gartenbau 145 ha
Wiese und Weide 3073 ha

Quelle: Autonome Provinz Bozen, Amt für Obst und Weinbau, Stand zum 31.01.2009

*ökologisch wirtschaftend, in Umstellung und gemischt

Infoblatt: EA01
Stand: 03/2011