Verbraucher:innen halten sich für „gut im Umgang mit Geld“ – die tatsächlichen Kenntnisse liegen jedoch deutlich darunter.
Starker Anstieg von BNPL bei jungen Menschen, Unsicherheiten bei Karten und digitalen Zahlungen sowie ausgeprägte Nord-Süd- und Geschlechterunterschiede.
Die nationalen Verbraucherverbände Adiconsum (Projektleiter), Codacons, Confconsumatori, Movimento Consumatori, Movimento Difesa del Cittadino und Verbraucherzentrale Südtirol – allesamt im Nationalen Verbraucherbeirat vertreten – haben heute die Ergebnisse der Online-Umfrage „PRONTI A CONTARE - ZAHLREICH“ vorgestellt. Das Projekt wird vom Ministerium für Unternehmen und "Made in Italy" (MIMIT) gemäß D.D. vom 12. Mai 2025 finanziert.
Die Online-Umfrage wurde unter mehr als 2.000 Mitgliedern durchgeführt, die sämtliche italienischen Regionen repräsentieren. Das Ergebnis zeichnet das Bild eines Landes im Wandel: großes Vertrauen in die eigenen finanziellen Fähigkeiten, zugleich objektiv unzureichende Kompetenzen, eine starke Nutzung neuer Kreditinstrumente durch junge Menschen sowie eine große Nachfrage nach finanzieller Bildung.
Die wichtigsten Ergebnisse
- Überschätzung der eigenen Finanzkompetenz: 83 % der Befragten bewerten ihre Kenntnisse als „gut, hoch oder sehr hoch“. Eine Überprüfung konkreter Sachkenntnisse offenbart jedoch erhebliche Wissenslücken (im Einklang mit Eurobarometer 2023 und OECD-PISA). Zwar geben 48,9 % an, ihre Einnahmen und Ausgaben stets zu kontrollieren, doch die subjektive Wahrnehmung von Kontrolle übersteigt häufig die tatsächlichen Fähigkeiten.
- Unsicherheiten bei Zahlungsmitteln: Zwischen Kredit- und Debitkarte bestehen weiterhin verbreitete Unklarheiten; Funktionen und Risiken werden oft nicht korrekt unterschieden.
- Digitale Zahlungen: Lediglich 20 % fühlen sich im Umgang damit „sehr sicher“, während mehr als 70 % (sehr) besorgt über Online-Betrug sind. Zwar erkennen 38,9 % der Teilnehmenden, dass digitale Zahlungen das Finanzmanagement erleichtern, dennoch bleibt die Skepsis ausgeprägt.
- Buy Now Pay Later (BNPL): 22 % der Befragten nutzen entsprechende Angebote. Besonders hoch ist der Anteil bei den 18- bis 24-Jährigen (44 %) sowie bei den 24- bis 35-Jährigen (34,3 %). 30 % kennen die damit verbundenen Risiken nicht, und nur 16,7 % fühlen sich vollständig informiert.
- Mikrotransaktionen und Gaming: Das Phänomen betrifft 13 % der Haushalte. 75 % halten solche Ausgaben jedoch für riskant, sofern sie nicht überwacht werden. Regelmäßige Nutzer:innen zeigen größeres Vertrauen in digitale Zahlungen, zugleich aber eine geringere Risikosensibilität.
- Geschlechterunterschiede: 53 % der Männer schätzen ihre Finanzkompetenz als hoch ein (20,3 % fühlen sich „sehr gut vorbereitet“ in Bezug auf Kredite und Karten), gegenüber 43,6 % der Frauen (davon lediglich 12,2 % „sehr gut vorbereitet“).
- Junge Menschen besonders betroffen: In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen führen nur 50 % systematisch Buch über Einnahmen und Ausgaben (bei den über 65-Jährigen sind es 77 %). Nur 20 % der 18- bis 34-Jährigen lesen und verstehen die Vertragsbedingungen von Krediten, Karten und BNPL-Angeboten ohne Schwierigkeiten.
- Regionale Unterschiede: Die Fähigkeit, unerwartete Ausgaben zu bewältigen, variiert deutlich: Norden 53,5 %, Mitte 35,8 %, Inseln 35,4 %, Süden lediglich 23,9 %.
- Einkommen und Finanzverhalten: Bei einem Jahreseinkommen über 50.000 Euro fühlen sich 31,4 % „sehr gut vorbereitet“ in Bezug auf Kredite und Karten; unter 15.000 Euro sinkt dieser Anteil auf 15 %.
Was die Bürger:innen fordern
Die Befragten sprechen sich für folgende Maßnahmen aus:
- 64,9 % Finanzbildung in Schulen
- 47,7 % Kurse für Erwachsene
- 46,4 % mehr Transparenz durch Banken und Finanzdienstleister
- 36,5 % individuelle Beratung durch Organisationen des Dritten Sektors (mehr als doppelt so häufig genannt wie Kreditinstitute)
Die Vorschläge der Verbraucherverbände
Die sechs Verbände richten einen konkreten Appell an Politik und Finanzsektor:
- Strukturierte Finanzbildungsprogramme mit Schwerpunkt auf jungen Menschen und Frauen.
- Einrichtung von Finanzberatungsstellen bei Verbraucherverbänden (gemäß EU-Richtlinie 2023/2225).
- Gemeinsame Informationskampagnen zur Sicherheit digitaler Zahlungen und zum digitalen Euro.
- Einbindung von Banken und Zahlungsinstituten (E-Geld- und Zahlungsinstitute) zur Gewährleistung klarer und transparenter Informationen.
- Einrichtung eines ständigen Koordinierungsgremiums zwischen Verbraucherverbänden und Institutionen zur Entwicklung konkreter Maßnahmen zur finanziellen Alphabetisierung.
Die Verbände betonen:
Finanzielle Resilienz entsteht durch einen vorsichtigen, informierten und verantwortungsvollen Umgang mit Schulden – begleitet von kompetenter und vor allem unabhängiger Beratung. Die Verbraucherverbände sind bereit, ihren Beitrag zu leisten: Sie sind für Millionen italienischer Familien der verlässlichste Ansprechpartner.
Die vollständige Studie (in italienischer Sprache) finden Sie hier.

