Wirken die EU-Schulprogramme für Obst, Gemüse und Milch?

Seit 1977 schon existiert das so genannte Schulmilchprogramm der EU für die Abgabe von Milch und Milchprodukten an Kinder in Kindergärten, Grund- und Sekundarschulen. 2009 führte die EU zusätzlich das Schulobst- und Gemüseprogramm ein. Die Programme sollen Kindern den regelmäßigen Konsum von Obst, Gemüse und Milch sowie gesunde Ernährungsgewohnheiten vermitteln. Neben der Verteilung der Lebensmittel sind auch begleitende Bildungsaktivitäten vorgesehen. Im Schuljahr 2024/2025 haben über 19 Millionen Kinder an 143.000 Schulen bzw. Kindergärten in allen EU-Ländern außer Griechenland am Schulobst- und Gemüse- und/oder am Schulmilchprogramm teilgenommen. Die EU hat die Mitgliedstaaten in diesem Zeitraum mit 132 Millionen Euro für die Obst- und Gemüseprogramme und mit 89 Millionen Euro für die Milchprogramme unterstützt. Der Schwerpunkt des Angebots liegt auf frischem Obst und Gemüse sowie Trinkmilch, zusätzlich können die EU-Länder verarbeitete Lebensmittel wie Säfte, Jogurt oder Käse verteilen. Produkte, denen Zucker, Salz, Fett, Süßstoffe oder künstliche Aromen zugesetzt wurden, sind weitestgehend ausgeschlossen.

In Italien ist das Ministerium für Landwirtschaft, Ernährungssouveränität und Forstwirtschaft für die beiden Programme zuständig. Im Schuljahr 2024/2025 haben 1,2 Millionen Kinder an 8.990 Grundschulen am Obst- und Gemüse- und/oder am Milchprogramm teilgenommen. Insgesamt wurden an den Schulen 2.571 Tonnen Obst- und Gemüseerzeugnisse im Wert von 7,5 Millionen Euro abgegeben. 45 Prozent davon verfügten über ein Herkunftskennzeichen (g.g.A. oder g.U.), doch lediglich 0,2 Prozent (bezogen auf den Wert) stammten aus biologischer Landwirtschaft. Im Rahmen des Milchprogramms wurden 633 Tonnen Milch, 361 Tonnen Jogurt und 63 Tonnen Käse an den Schulen verteilt. Laut Angaben der Pädagogischen Abteilung des Landes Südtirol erfolgt die Verteilung von Obst, Gemüse und Milch(produkten) an den teilnehmenden Schulen üblicherweise an 30 Tagen von November bis April, zusätzlich gibt es Unterrichtseinheiten zur gesunden Ernährung. Doch Probleme mit der Lieferung scheinen zum Alltag zu gehören: italienweit bemängelten 38 Prozent der befragten Schulen Probleme in Zusammenhang mit der Verteilung von Obst und Gemüse, u.a. hinsichtlich der Menge und der Qualität sowie der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Lieferungen, immerhin 21 Prozent der befragten Schulen verzeichneten Probleme in Zusammenhang mit der Verteilung der Milch(produkte).

„Der Anteil an Bio-Obst und -Gemüse ist auffallend niedrig,“ merkt Silke Raffeiner, die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol, an. „Im Schuljahr 2017/2018 waren es noch 14,3 Prozent des Gesamtwerts, 2024/2025 ist der Bio-Anteil jedoch auf homöopathische 0,2 Prozent gesunken. Und das, obwohl den Lehrpersonen zufolge das Bio-Obst und -Gemüse bei den Kindern Jahr für Jahr am besten ankommt.“

Auch einige weitere Ergebnisse der jährlichen Evaluierung in Italien sind widersprüchlich und lassen Zweifel an der Effektivität der Programme aufkommen. Obwohl fast 77 Prozent der befragten Eltern angaben, ihr Kind habe während der Teilnahme am Obst- und Gemüseprogramm mehr Obst und Gemüse als vorher gegessen, ist die Akzeptanz von Obst und Gemüse laut dem Bericht 2024/2025 bei Kindern, die am Programm teilgenommen haben, nicht wesentlich höher als bei Kindern, die nicht am Programm teilgenommen haben. Ambivalent fällt auch das Fazit der EU-weiten Evaluierung 2017-2022 aus. Demnach hätten die Schulprogramme für Obst, Gemüse und Milch nur begrenzte Auswirkungen auf die allgemeinen Ernährungsgewohnheiten. Kinder, die sonst nur eingeschränkten Zugang zu Obst und Gemüse haben, würden jedoch von den Programmen profitieren. Letztendlich seien viele Mitgliedstaaten der Ansicht, die Vorteile der EU-Programme würden den Aufwand und die Schwierigkeiten in der Umsetzung rechtfertigen.

 

Weiterführende Links:
https://www.fruttanellescuole.gov.it/home (nur in italienischer Sprache verfügbar)
https://www.lattenellescuole.it/ (nur in italienischer Sprache verfügbar)

 

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