Strompreise mit Kurzschluss

Preissenkungen an der Strombörse werden nicht an Verbraucher weitergegeben, dafür dürfen die Verbraucher die günstigen Strompreise der Großabnehmer bezahlen

Einkaufsgemeinschaft eröffnet neue Möglichkeiten


Seit der endgültigen Liberalisierung im Strommarkt sind 6 Jahre vergangen und das Ziel niedriger Strompreise verkehrt sich für Familien und Kleinbetriebe zunehmend ins Gegenteil. Die Verbraucher sind es gewohnt, dass Banken ihnen Zinssenkungen nicht weitergeben (siehe Einführung einer Zinsuntergrenze der wichtigsten Südtiroler Banken), das selbe gilt mittlerweile auch für die Stromanbieter. Im 1. Trimester 2008 kostete eine MWh Strom an der italienischen Strombörse durchschnittlich 80,73 Euro (56 Euro in Deutschland und Österreich). Im 1. Trimester 2013 ist der Preis um 21% auf 63,77 Euro gefallen (43 Euro in D und A). 
 

Strompreise für Haushalte steigen trotz günstigerem Großhandelsstrom

Und die Strompreise für die privaten Haushalte? Im geschützten Markt (wo sich die meisten Stromabnehmer befinden) kosteten 2.700 kWh im Jahr 2008 445,77 Euro, 5 Jahre später 516,42 Euro also um 16% mehr. Für die Verbraucherzentrale ist der Fall klar: die niedrigeren Kosten werden nicht an die Kunden weitergegeben. „Die Liberalisierung im Strommarkt geht in die falsche Richtung, die Strompreise müssen runter“ sagt der Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Südtirol Walther Andreaus.
Die Basis der von den Stromverkäufern in Rechnung gestellten Energiepreise - also der Endkundenpreise ohne Netzdienste, Systemkosten und Steuern - bilden die Großhandelspreise.
Dabei setzt sich für einen durchschnittlichen Haushaltskunden der Stromtarif wie folgt zusammen:

Kostenart c€/KWh % Euro/Jahr
Verkaufsdienstleistungen 10,23 53% 276
Netzdienste 2,77 15% 75
Systemkosten 3,64 19% 98
Steuer 2,55 13% 69
Gesamt 19,19 100% 518

 

Familien und Kleinbetriebe müssen günstige Strompreise für Großabnehmer bezahlen

Auf Familien und Kleinbetriebe kommen mit einem Beschluss (Nr. 467/13) der Aufsichtsbehörde für Strom und Gas (AEEG) weitere Belastungen von geschätzten 4 Milliarden Euro jährlich hinzu. Sie dürfen für die Großabnehmer den günstigen Stromtarif ausgleichen. Die Stromrechnungen scheinen zunehmend zu einem Bankomaten für systemfremde Kosten zu werden. Nachdem hier kein Umdenken zu erkennen ist bleibt den VerbraucherInnen nichts übrig als selbst tätig zu werden.
 

Gemeinsam weniger zahlen

Gelegenheit dazu schafft die Einkaufsgemeinschaft für Strom und Gas die die Verbraucherzentrale Südtirol in Leben gerufen hat. Noch bis Jahresende können Haushaltskunden mitmachen und sich auf der Homepage anmelden. Ziel ist es durch den Zusammenschluss von vielen Einzelkunden zum Großkunden zu werden und so bessere Preise herausholen. „Je mehr Konsumenten mitmachen, desto besser seien die Chancen auf einen Preisnachlass“ so die Verbraucherzentrale Südtirol. Alle privaten Haushalte und auch Kondominien sind aufgerufen ihr Interesse anzumelden. 
In anderen Ländern, etwa den Niederlanden und Belgien verhandelten Verbraucherschützer bereits mit einer solchen Einkaufsgemeinschaft bessere Preise. In Österreich ist eine ähnlich Aktion im Gange.

 

 

 

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