Plastik: von der Flasche in den Mund?

Mikroplastik in Mineralwasser stammt (auch) aus den PET-Flaschen

 

Mineralwasserflaschen aus Kunststoff (PET) geben Mikroplastik-Teilchen an das Wasser ab. Das beweist eine aktuelle Untersuchung im Auftrag von ÖKO-TEST. Die Verbraucherzentrale Südtirol rät zum Trinken von Leitungswasser.

Enthält Mineralwasser Mikroplastik, das aus der Verpackung in das Wasser gelangt? Um diese Frage zu klären, hat das deutsche Verbraucherschutzmagazin ÖKO-TEST kürzlich 71 Proben von Mineralwässern der Sorten Still und Medium zur Analyse ins Labor geschickt. Darunter befanden sich 52 Wässer in PET-Einwegflaschen, neun Wässer in PET-Mehrwegflaschen und zehn Wässer in Glasflaschen.
Als Mikroplastik werden feste, unlösliche Teilchen aus synthetischen Kunststoffen bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Das von ÖKO-TEST beauftragte Labor wendete eine neue Untersuchungsmethode an (SingleParticle-ICP-MS) und analysierte und zählte die antimonhaltigen Mikroplastikteilchen. Antimon, ein Halbmetall, wird nämlich bei der Produktion des Kunststoffs PET (Polyethylenterephthalat) eingesetzt. In der Regel bestehen Einwegflaschen für Getränke aus PET.

In 44% der Proben aus PET-Flaschen wurden antimonhaltige PET-Plastikpartikel nachgewiesen. Die gefundenen Teilchen waren zwischen einem und zehn Mikrometer (µm) groß. Die höchsten Gehalte fanden sich in stillen Mineralwässern aus PET-Einwegflaschen: vier Wässer enthielten mehr als 100.000 Plastikteilchen pro Liter, der Höchstgehalt lag bei 500.000 Teilchen pro Liter. In Wässern aus PET-Mehrwegflaschen waren die Gehalte mit maximal 25.000 Teilchen pro Liter geringer. Im Unterschied dazu waren alle Proben aus Glasflaschen frei von PET-Mikroplastik. Die Untersuchung beweist, dass tatsächlich Mikroplastik von den PET-Flaschen in das Mineralwasser übergeht. Ob es während der Produktion oder während der Lagerung zu diesem Abrieb kommt, darüber gibt die Studie keinen Aufschluss.

Derzeit ist noch nicht klar, ob und welche gesundheitlichen Auswirkungen Mikroplastik in Lebensmitteln und Getränken auf den Menschen hat. Daher existieren auch noch keine gesetzlichen Grenzwerte für Lebensmittel. Allerdings gibt es Hinweise dafür, dass die Aufnahme von Mikroplastik beim Menschen Entzündungen hervorrufen kann, beispielsweise in der Haut und in der Lunge. Mikroplastikteilchen wurden in den letzten Jahren bereits in zahlreichen Getränken (Mineralwasser, Leitungswasser, Soft-Drinks, Bier...) und Lebensmitteln (Fisch, Muscheln, Speisesalz…) nachgewiesen. Jedoch wurde für die aktuelle Studie eine unterschiedliche Analysemethode angewendet, weswegen die festgestellten Werte nicht mit den Ergebnissen anderer Studien verglichen werden können.

Angesichts dieser unappetitlichen Erkenntnisse rät die Verbraucherzentrale Südtirol einmal mehr zum Trinken von Leitungswasser. „Leitungswasser ist ein echtes 0-km-Lebensmittel, das in jedem Haushalt zu geringen Kosten und ganz ohne Verpackung jederzeit zur Verfügung steht“, meint Silke Raffeiner, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol. „Mineralwasser kostet im Vergleich zum Leitungswasser ein Vielfaches. Es belastet auch die Umwelt viel stärker, nämlich durch die Produktion von Verpackungsmaterialien, die Transporte und die Abfallentsorgung. Für die Südtiroler Haushalte, die über ein qualitativ gutes und schmackhaftes Trinkwasser verfügen, ist der Kauf von Mineralwasser eigentlich ein unnötiger Luxus.“ Wer trotzdem Mineralwasser bevorzugt, sollte ausschließlich Wasser in der Glas-Mehrwegflasche und aus der Region kaufen. Auch die Anschaffung eines Wassersprudlers kann eine Alternative zum Kauf von Mineralwasser mit Kohlensäure sein. An den europäischen Stränden gehören Kunststoffflaschen übrigens zu den am häufigsten gefundenen Einwegprodukten aus Kunststoff.

 

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