TAEG – der jährliche effektive Zinssatz

Der jährliche effektive Zinssatz „TAEG“ (Tasso Annuo Effettivo Globale) oder „ISC“ (Indicatore Sintetico di Costo) ist jener Zinssatz, der die tatsächlichen Kosten eines Kredites (oder Finanzierung) durch Banken oder Finanzvermittler angibt.
Der TAEG dient zwar nicht zur Berechnung der Raten für einen Kredit, aber er ist ein wichtiger Indikator für die Kosten einer Finanzierung und somit ein wertvoller Vergleichsmaßstab zu den TAEG-Zinssätzen anderer Finanzierungen.

Der TAEG oder ICS ist nicht zu verwechseln mit dem „TAN", dem jährlichen Nominalzinssatz, der auf den Kreditbetrag ohne Berücksichtigung sonstiger Kosten angewandt wird. Zudem bezieht sich der TAEG neben der Berücksichtung der Finanzierungskosten auf den effektiven und nicht den nominalen Zinssatz.*
Auch der „TEG“ (Tasso Effetivo Globale), der zur Berechnung für die vom Gesetz vorgesehene Wucherzinsschwelle herangezogen wird(Art. 2, Gesetz Nr. 108/96), ist nicht mit dem TAEG zu verwechseln.

Welche zusätzlichen Kosten werden bei der Berechnung des TAEG-ISC berücksichtigt?

  • die Spesen für die Bearbeitung des Gesuches zur Eröffnung des Kredites;
  • die Kosten für eine Neuverhandlung des Finanzierungsumfangs oder der Kreditbedingungen;
  • die Kosten für die Aufnahme und die Tilgung des Kredites;
  • die Spesen für die Eintreibung der Raten, wenn solche vom Kreditgeber vorgesehen sind (z.B. die Spesen für einen Bankauftrag);
  • die Spesen für die Versicherung und für die Garantien, sofern sie der Kreditgeber auferlegt. Diese Garantien sichern den Kreditgeber im Falle von Tod , Invalidität, Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit des Kreditnehmers ab;
  • die Kosten für einen eventuellen Kreditvermittler;
  •     andere anfallende Kosten, die im Vertrag aufscheinen.


Kosten, die von der Berechnung des TAEG ausgeschlossen sind

  • die Kosten und das Honorar für den Notar (wenn erforderlich);
  • die Steuern in Bezug auf den Vertragsabschluss;
  • Kosten für eine eventuelle Eintreibung des Kredites auf dem Rechtswege;
  • die Verzugszinsen.

Die Tatsache, dass bei der Berechnung des TAEG zusätzliche Posten zu dem reinen Kapitalbetrag und dem Zinssatz berücksichtigt werden, führt dazu, dass der TAEG oft wesentlich höher ausfällt, als der reine vom Kreditgeber angegebene Zinssatz. So gesehen könnte der TAEG in bestimmten Fällen auch die Schwelle zum Wucherzinssatz überschreiten.

Ein konkretes Beispiel
Als Beispielfall nehmen wir die Beleihung der Entlohnung, eine Finanzierungsform, die in letzter Zeit sehr beliebt geworden ist. Um den TAEG/ISC bestimmen zu können, gehen wir davon aus, dass die Zusatzkosten der Kreditfinanzierung (Bearbeitungskosten für das Gesuch, Verwaltung, Vermittlungsgebühren) vom beantragten Kreditbetrag zum finanzierten Betrag in Abzug gebracht werden, und die laufenden Kosten (Versicherungskosten, Kosten für die Eintreibung der Raten) die Raten erhöhen.

Die Daten zur Berechnung: beantragter Kredit in Höhe von 20.000 € / Nominalzinssatz: 6% p.a. / Zusatzkosten: 3.000 € / laufende Kosten: Versicherungsprämie: 25 €, Inkassospesen für die einzelnen Raten: 2 €
Im hypothetischen Fall einer vollständig ausbezahlten Kreditsumme von 20.000 €, also ohne Zusatzkosten und laufende Kosten zu berücksichtigen, zu einem TAN von 6% und einer Monatsrate von 222 €, wird der TAEG mit dem effektiven Zinssatz in Höhe von 6,17% übereinstimmen.
Hingegen im Falle eines Kredites mit in Abzug gebrachten Zusatzkosten, also 20.000 - 3.000 € = 17.000 €, und den um die laufenden Kosten erhöhten Raten 222 + (25+2) € = 249 €, macht der TAEG 13,26% aus, also ein gewährter Kreditbetrag von 17.000 € und Monatsraten von 249 €.

Tipps
Einige Finanzinstitute neigen zu einer recht eigenwilligen Anwendung der Regeln zur Berechnung des TAEG, indem sie bestimmte Posten von der Berechnung des TAEG ausschließen, die hingegen aus Sicht des Verbrauchers und im Sinne des Konsumentenschutzes in die Berechnung miteinfließen müssten, wie z.B. die Versicherungskosten. Dem Verbraucher wird in solchen Fällen ein Zinssatz auferlegt, der höher ist als der offizielle Zinssatz, ohne Rücksicht auf mögliche Wucherzinssätze und deren Folgen für die Kreditnehmer. Transparenter erscheint uns da schon das Verhalten der Finanzvermittler, die in Ihren Informationsprospekten und Vertragsdokumenten ausdrücklich auf einen TAEG/ISC mit oder ohne Einberechnung der Versicherungskosten hinweisen.

*Im Normalfall sieht ein Tilgungsplan für Kredite und Darlehen nicht vor, dass die gesamten angelaufenen Zinsen erst am Ende des Jahres beglichen werden, sondern im Verhältnis in jede fällige Rate miteinfließen.
Daraus entsteht dem Kreditgeber ein gewisser Vorteil, da er so einen beträchtlichen Teil der Zinsen sozusagen im Voraus erhält. Diesem Umstand wird wiederum bei der Berechnung des nominalen jährlichen Zinssatzes nicht Rechnung getragen, und darin besteht der Unterschied zum effektiven Zinssatz.
BEISPIEL: Ein Kredit zum jährlichen Nominalzinssatz von 5% und monatlicher Ratentilgung (12 Raten im Jahr) entspricht einem TAEG von 5,12%, also 0,12% mehr; eine Differenz, die umso größer ist, je höher der Nominalzinssatz ist (z.B. 10 oder 20%).

Stand
10/2016

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