Energiemarkt im Wandel

 

VerbraucherInnen werden aktiv


Die Energieausgaben sind ein wesentlicher Posten des Familienhaushalts. Seit der Liberalisierung des Strommarkts ist einige Bewegung in den Markt gekommen, und die VerbraucherInnen sehen sich mit neuen Fragen konfrontiert. Wer ein gutes Angebot am Markt finden möchte, muss zuallererst sein "Verbrauchsverhalten" kennen, aber auch wissen, welche Angebote der Markt hergibt, und wie man sie vergleichen kann.

Die Liberalisierung wirft auch viele Fragen in Bezug auf den Schutz der Rechte der VerbraucherInnen auf: man denke dabei nur an die vielen ungewollt abgeschlossenen Verträge, an die Energie-Boni, an die Beschwerde- und Schlichtungsprozeduren bei Streitfällen zwischen KundInnen und Energielieferanten, an den Tag- und Nachttarif. Antworten auf diese Fragen gab es heute anlässlich einer Konferenz der Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) im Bozner Kolpinghaus.

Nachtstrom: Ende der Märchenstunde
Die Überlegungen waren einfach: Nachts und am Wochenende wird in Haushalten und Betrieben weniger Strom verbraucht als tagsüber an Werktagen. Um die Kraftwerke mit gleichmäßigerer Auslastung und dadurch kostengünstiger betreiben zu können, stellen Kraftwerksbetreiber Strom in so genannten Schwachlastzeiten, also vor allem nachts, preisgünstiger zur Verfügung. Diese günstigeren Preise wollte man an die Kunden weitergeben. Doch dem ist nicht so!
Wer heute beispielsweise die Tarife für 2700 kWh Strom (Leistung 3 kW) in Bozen vergleicht, stellt bei Kunden des geschützten Marktes, den Nachtstromverbrauch von 66 auf 80% erhöhen (und dies absolut nicht leicht ...), eine jährliche Einsparung von 2 Euro pro Jahr fest: statt 514,33 Euro "nur" 512,49 Euro. Die Zahlen sprechen Klartext: wirkliche Einsparpotentiale bieten sich nur auf dem freien Markt.

Der freie Markt - Sparpotential für Umsichtige
Doch das erstbeste Angebot auf dem freien Markt anzunehmen, bringt einen sprichwörtlich vom Regen in die Traufe. Man kann sparen, man kann aber auch "draufzahlen". Eine kleine Familie, die vor allem tagsüber Strom braucht (sagen wir wieder 2.700 kWh bei 3 kW Leistung in Bozen), zahlt für das beste Angebot am freien Markt 463,34 Euro - für das schlechteste (weil teuerste) ganze 782,15 Euro. Statt 50 Euro zu sparen, zahlt die Familie nun fast 270 Euro (69%) mehr. Und mit höherem Stromverbrauch bzw. höheren Anschlussleistungen steigen die Zahlen an.

Mit der Einkaufsgemeinschaft Energie Südtirol-Trentino (EGE) günstigere Strom- und Gaspreise anpeilen
Aufgrund dieser Problematiken und von Anfragen von aktiven KonsumentInnen hat die Verbraucherzentrale Südtirol eine Einkaufsgemeinschaft für Strom und Gas ins Leben gerufen. Wir werden den Energieverbrauch bündeln und bei verschiedenen Anbietern eine entsprechende Auktion durchführen. Dabei sollen auch die zweisprachige Kundenbetreuung, die Kundenrechte und die "grüne" Energie nicht zu kurz kommen. Nach Abschluss der Verhandlungen werden die einzelnen VerbraucherInnen über das Ergebnis informiert und sie können dem ausgehandelten Standardvertrag nach freiem Ermessen beitreten. Alle Infos hierzu auf www.verbraucherzentrale.it.

Die Konferenz ist eine Initiative im Rahmen des Projekts PDT2 Energie, realisiert von den Verbraucherorganisationen des nationalen Verbraucherbeirats CNCU durch einen Beitrags des Fonds für Strafen der Aufsichtsbehörde für Strom und Gas.

 

 

 

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