Insekten ohne Gift bekämpfen

Werden Fliegen, Mücken oder anderes Gefleuch zu Störenfrieden, greift so manche/r zur chemischen Keule. Doch Giftsprays, Strips (Kunststoffrahmen mit imprägnierten Einlagen, aus denen das Gift nach und nach entweicht), Elektroverdampfer (Wirksstoffe verdampfen durch Wärme), Gift- und Klebeköder usw. helfen allenfalls in Maßen und belasten oft aber stark die Innenraum-Luft. Tenor eines 1993 veröffentlichten Tests ist, dass bei der Bekämpfung von Insekten in der Wohnung auf chemische Mittel verzichtet werden sollte und zwar aus folgenden Gründen:
 

Sprays:

enthalten hauptsächlich Pyrethroide oder Carbamate, beides sind Nervengifte, die auch beim Menschen eine Vielzahl von Nebenwirkungen erzeugen können. Pyrethroide sind z.T. sehr langsam abbaubar und erzeugen Langzeitbelastungen.

Wirkstoffverstärker, die oft nicht deklariert sind (z.B. Piperonylbutoxid), hemmen beim Menschen vorübergehend ein für die Körperentgiftung wichtiges Enzymsystem. Durch Überdosierung kann es zu hohen akuten Belastungen kommen.


Elektroverdampfer:

enthalten als Wirkstoff in der Regel ebenfalls Pyrethroide und Wirkstoffverstärker, wie oben beschrieben.
 

Strips:

Wirkstoff ist hier hauptsächlich ein Phosphorsäureester (Dichlorvos), der als Nervengift wirkt und unter anderem beim Menschen die Übertragung von Nervenreizen messbar hemmt. Dieser Stoff ist international als möglicherweise Krebs erregend eingestuft. Insektenstrips erzeugen in Innenräumen eine Dauerbelastung, die sowohl in Bezug auf mögliche gesundheitliche Schädigungen der Bewohner als auch hinsichtlich der Resistenzbildung bei Insekten sehr bedenklich ist.
 

Insektenköder:

enthalten wie die Sprays und Elektroverdampfer als Kontaktgifte Pyrethroide und Phosphorsäureester mit den beschriebenen gesundheitsschädlichen Wirkungen. Manche Insektenköder weisen noch dazu hinsichtlich der Kindersicherheit gravierende Mängel (z.B. Ähnlichkeit mit Spielzeug) auf.
 

Repellents:

Im Freien kann das Einreiben mit sogenannten Repellents einen abschreckenden Effekt haben. Allerdings sind die Wirkstoffe vieler Produkte kritisch zu beurteilen - vor allem bei Kindern.
 

Unser Rat

Nicht alle Tiere, die ungebeten in die Wohnung eindringen, sind Schädlinge. Oft sind sie allenfalls nur lästig. Verzichten Sie auf die chemische Keule. Machen Sie sich statt dessen Gedanken über Ursachen und alternative Bekämpfungsmöglichkeiten:

  • Dichten Sie Fugen und Ritzen ab.
  • Verhindern Sie Feuchtigkeit. Schimmel, Silberfischchen, Milben, Kakerlaken und Kellerasseln mögen es feucht und warm.
  • Achten Sie abends darauf, dass zum Menschengeruch und Wärmestrahlung strebende Mücken nicht durch offene Fenster angelockt werden (am besten Mückennetz organisieren).
  • Heben Sie Lebensmittel wie z.B. Reis, Mehl, Haferflocken usw. in dichtschließenden Gläsern auf.
  • Mit Fliegengaze und Leisten kann sich jede/r einen wirksamen Insektenschutz bauen, der bei Bedarf in den Fensterrahmen eingesetzt wird.
  • Moskitonetze schützen zuverlässig beim Schlafen.
  • Fliegenklatschen sind gute und unschädliche Hilfsmittel. Auch aufgehängte Leimköder, an denen besonders Fliegen kleben bleiben, tun ihren Dienst.
  • Lavendel, Kampfer, Zedernholz wirken vorbeugend gegen Mottenbefall.

Wirksame Hausmittel gegen:

  • Kakerlaken: Ködergefäße mit Sirup, Rübol oder Bananenschalen aufstellen und schräge Brettchen daran anlehnen.
  • Ameisen: Backpulver streuen; auch Zigarettenasche soll helfen. Reinigen Sie die Fußböden mit einem Gemisch aus Essig und Lavendel (ein Büschel Lavendel in ein Liter Weißweinessig einen Monat lang ziehen lassen); auch der Geruch von schimmeliger Zitrone soll Ameisen vertreiben.
  • Mücken: Geranien am Fenster halten Mücken ab, sowie auch der Geruch von Weihrauch und Gewürznelken.
  • Fliegen: Achten Sie auf peinliche Sauberkeit im Haus. Basilikum am Fenster hält Fliegen ab. Auch grün oder blau gestrichene Wände sollen von Fliegen nicht geschätzt werden, so berichten Erfahrungen aus Afrika. Im Notfall tut auch eine Fliegenklatsche ihre Dienste.
  • Silberfischchen: Ein Borax-Zucker-Gemisch im Verhältnis 1:1 hilft.
  • Spinnen: Lassen Sie Spinnen leben, sie sind die natürlichsten Insektenfänger und vernichten massenweise Hausstaubmilben.

Benutzen Sie als Insektenschutz im Freien Mittel auf Basis ätherischer Öle zum Einreiben (z. B. Lavendel, Zitrone, Nelke, Verbena).

Stand
11/2016

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