Kinderunfälle zu Hause

 

Mehr als die Hälfte aller Kinderunfälle passieren nicht im Straßenverkehr, sondern in den eigenen vier Wänden. Am häufigsten sind Kinder im zweiten und dritten Lebensjahr davon betroffen. bnv

Ein offenes Fenster, eine glühende Herdplatte, die Flasche mit dem Glasreiniger - oft sind es kleine Unachtsamkeiten, die tragische Folgen haben können. Kinder sehen die Welt mit anderen Augen und müssen im Gegensatz zu Erwachsenen erst noch lernen Gefahren und Risiken richtig einzuschätzen. Darum können für Kinder viele Dinge, die für Erwachsene selbstverständlich sind verhängnisvolle Gefahren sein. Um die vielen Kinderunfälle zu reduzieren, sind Eltern und Betreuungspersonen über die Gefahrenquellen für Kinder noch besser zu informieren. Solange das Kind klein ist, tragen sie die volle Verantwortung und sollten durch sicherheitsbewußtes Verhalten und Schutzvorkehrungen in der Umgebung des Kindes für Sicherheit sorgen. Größer werdende Kinder sollten dann außerdem zu vorsichtigem Verhalten angeleitet werden. Experten gehen davon aus, dass bis zu 60% der Kinderunfälle durch vorbeugende Maßnahmen vermieden werden könnten, so zum Beispiel durch mehr Aufsicht und bessere technische Sicherungen.

 

Häufigste Unfallarten:

  • Stürzen
  • Schneiden / Quetschen
  • Verbrennen / Verbrühen
  • Ersticken / Ertrinken
  • Vergiftungen
  • Verletzungen durch Strom



 

Unfälle vermeiden, gewußt wie!

Kinder wollen ihre eigene Welt entdecken! Damit dieser Entdeckergeist aber nicht zur Selbstgefährdung führt, sollten Sie das Umfeld der Kinder so sicher wie möglich gestalten. Mit den verschiedensten Sicherungsvorrichtungen in den Gefahrenbereichen der Wohnung und bessere Aufsicht lassen sich so manche ungeschickten Unfälle verhindern:
 

Badezimmer

Besonders im Badezimmer lauern viele Gefahren, einige davon lassen sich jedoch durch Beachtung folgender Hinweise reduzieren:
 

  • Antirutschmatten in der Badewanne und Stoßsicherungen für die Armaturen sorgen für einen sicheren Badespaß
  • Stellen Sie grundsätzlich nur unbedingt notwendige Elektrogeräte ins Badezimmer, und zwar nur in für Kinder unerreichbare Regale oder Schränke. Entfernen Sie alle beweglichen Elektrogeräte aus der Nähe von Wannen oder Waschbecken
  • Scharfe und spitze Gegenstände, wie Scheren, Feilen oder Rasierklingen, müssen dem Zugriff des Kindes entzogen sein
  • Kleine Kinder nicht ohne Aufsicht baden lassen, denn schon bei einer Wassertiefe von 5 cm besteht die Gefahr des Ertrinkens.


 

Küche

Auch die Küche hat eine große Anziehungskraft auf Kinder. Hier gibt es viel Spannendes zu beobachten! Klar, dass Kinder hier mit anpacken wollen, aber wenn sie alleine sind, eben gerne auch mal selbst experimentieren. Diese Erforschungsreisen enden oft leider sehr schmerzhaft für die Kleinen. Mit den notwendigen Sicherheitsartikeln und ausreichend Vorsicht läßt sich auch dieser Gefahrenbereich erstaunlich entschärfen:
 

  • Vorsicht im Umgang mit Elektrogeräten in der Nähe von Wasser. Sie könnten ins Wasser fallen und einen tödlichen Stromschlag verursachen. Nach dem Gebrauch immer den Stecker aus der Steckdose ziehen und das Gerät wieder wegräumen.
  • Überhaupt sollten gefährliche Küchengeräte und -maschinen nach Gebrauch nie frei herumstehen, sondern ordentlich verräumt werden. Gleiches gilt für Putz- und Reinigungsmittel.
  • Kochherd und Backofen gehören zu den meistgenutzten Haushaltsgeräten, und es läßt sich beim Kochen und Backen kaum vermeiden, dass immer wieder einmal versehentlich heiße Flüssigkeit oder sogar heißes Fett verschüttet wird. Zudem geben insbesondere Kochplatten auch noch Hitze ab, wenn sie längst ausgeschaltet und Töpfe oder Pfannen weggeräumt sind. 
    Um Unfälle zu vermeiden wenn möglich, die hintere Herdplatte zum Kochen bevorzugen. Nur schwere Töpfe verwenden und Pfannenstiele zur Seite nach hinten drehen, außerdem einen Kinder-Hitzeschutz montieren und das Backofenfenster sollte möglichst mit wärmedämmendem Glas versehen sein oder mit einer zusätzlichen Acrylplatte.
  • Leicht kippende Gegenstände und herunter hängende Tischdecken aus der Umgebung des Kindes entfernen.


 

Kinderzimmer

Kinderzimmer sind Spielräume. Vor allem Stadtkinder haben selbst bei gutem Wetter keine Ausweichmöglichkeit. Da muss man sich schon was einfallen lassen um seinen Bewegungs- und Erlebnisdrang ausleben zu können. Tolle Ideen können dabei entstehen, mitunter aber auch nicht ganz ungefährliche. Nicht selten sind die Unfallrisiken aber bereits von den Erwachsenen vorprogrammiert: 
 

  • Sitzmöbel oder Spieltische direkt am Fenster, unbefestigte Stehregale und offene Verlängerungskabel sind zu vermeiden
  • Plastiktüten und -folien haben im Kinderzimmer absolut nichts zu suchen. Denn Plastiktüten können lebensgefährlich sein. Leider kommt es immer wieder vor, dass Kinder sich Plastiktüten über den Kopf ziehen. Beim Einatmen preßt sich dann die Folie fest an Mund und Nase und das Kind kann schnell ersticken
  • Auf Hochbetten wenn möglich verzichten. Falls dies aus Platzgründen nicht möglich ist, müssen Kinder unbedingt durch seitliche Schranken gegen das Herausfallen geschützt werden. Kinder unter sechs Jahren sollten nicht im oberen Teil von Etagen- oder Hochbetten schlafen
  • Federnde Türsicherungshaken verhindern das Einklemmen von kleinen Kinderhänden
  • Verzichten sie im Kinderzimmer auf Deckenfluter oder andere Lampen, die umstürzen oder sehr heiß werden können.

 

Mehr Bewegung - weniger Unfälle?

Um Kindern "unfallsicheres" Aufwachsen zu ermöglichen ist "sicheres Bewegen" notwendig. Eltern können eine sichere Wohnumgebung schaffen, den Haushalt mit Sicherheitsartikeln absichern, ihre Kinder ständig beaufsichtigen usw. - Das kann alles wichtig und richtig sein, aber ebenso wichtig ist es auch die motorischen Fähigkeiten der Kinder zu fördern, denn Kinder mit guten motorischen Fähigkeiten verunfallen seltener und oftmals weniger schwer. 
Um es Kindern zu ermöglichen gute motorische Fähigkeiten zu entwickeln und damit über sicheres Bewegungsverhalten verfügen zu können, sollten Eltern ihren Kindern Raum, Zeit und Möglichkeiten bieten dem natürlichen Drang nach Bewegung nach zu kommen. 
 

  • Eltern können mit ihren Kindern in jedem Alter ganz spielerisch neue Bewegungsmuster einüben. Beispielsweise das Treppensteigen sollte so häufig wie möglich geübt werden, denn der Zeitpunkt, an dem das Kind unbeaufsichtigt an einer Treppe ist, kommt – besser das Kind verfügt dann schon über eine gute Steigtechnik
  • Fernsehen und Computer gehören zum modernen Alltag und ziehen Kinder magisch an. Eltern können darauf achten, dass auch das kreative Spiel drinnen und draußen nicht zu kurz kommt und die Verweildauer vor den Bildschirmen jeweils nur kurze Abschnitte des Kinderalltags ausmacht.

Durch gezielte und wirkungsvolle Prävention lassen sich Unfälle verhindern oder deren Folgen mildern. Manchmal sind es ganz einfache Maßnahmen, die Schlimmes verhindern können. Die oben genannten Schutzmöglichkeiten sind Beispiele wie Sie oft das eine Pflaster oder den anderen Krankenhausbesuch vermeiden können. Denn Unfälle sind nicht immer unvermeidbare Schicksalsschläge.

 

 

 

Stand
09-2005

like-512_0.png

like-512_0.png

Top