Ökoförderungen und Umweltbonus für den Kauf von Elektro- und Hybridautos in Südtirol

VZS: Kosten für das Laden an öffentlichen Ladestationen unannehmbar


Wer sich mit den Kosten für Ankauf und Unterhalt eines Elektro- oder Hybridautos beschäftigt, wird es schwieriger finden als anfangs gedacht, unter den verschiedenen Angeboten und Förderungen die richtige Wahl zu treffen. Die Verbraucherzentrale Südtirol will dazu beitragen, Klarheit zu schaffen.

Die E-Mobility ist ein Ziel, das das Land Südtirol auch in der laufenden Legislaturperiode 2018-2023 weiterverfolgen will. In der Regierungsvereinbarung ist ausdrücklich ausgeführt, dass „andere alternative Transportmöglichkeiten gefördert und verstärkt werden müssen, darunter auch die Elektromobilität, wobei dies durch den Aufbau eines Netzes von Ladestationen auf dem gesamten Landesgebiet und die Bereitstellung von Finanzierungen für alternative Antriebssysteme durch das Land ermöglicht werden soll“. Die gute Nachricht dabei ist, dass auch die Kumulierbarkeit der Landesbeiträge für den Kauf von Elektro- und Hybridfahrzeugen mit den im Haushaltsgesetz für 2019 enthaltenen staatlichen Förderungen (Umweltbonus) vorgesehen ist. Für den Moment existiert die Kumulierbarkeit zwar nur auf dem Papier, aber internen Quellen der Landesverwaltung ist zu entnehmen, dass der feste Wille besteht, der Absichtserklärung Taten folgen zu lassen.

Der VZS hat verschiedene Kosten- und Förderungsaspekte analysiert, die mit dem Kauf von umweltfreundlichen Fahrzeugen in Südtirol und in den anderen norditaliensichen Regionen zusammenhängen. Außerdem wurden die verschiedenen Angebote der Energieversorger verglichen, die innovative Lösungen für die Mobilität in Südtirol anbieten.


Sehen wir uns daher die in den verschiedenen Regionen vorgesehenen Förderungen im Detail an:

Ökoförderungen Norditalien (Tab.1)

Es fällt hier zum Beispiel auf, dass die Förderungen in der Provinz Trient denen in der Provinz Bozen zum Großteil entsprechen. Nur für den Posten „Ankauf einer Ladestation“ weichen sie mit einem um 500 Euro höheren Beitrag in Trient voneinander ab. Friaul-Julisch Venetien, Aostatal und Lombardei geben bedeutende Beiträge für die Erneuerung des Fuhrparks, in der Lombardei zum Beispiel erhält man mindestens 6.000 Euro für den Kauf eines Elektrofahrzeugs, aber, je nach Gewicht des Kraftfahrzeugs, kann der Beitrag sogar bis zu 10.000 Euro ausmachen. Diese hohen Beiträge der lombardischen Regionalregierung erklären sich zum Teil aus der schweren Notlage durch Umweltverschmutzung, die inzwischen die ganze Poebene betrifft und in regelmäßigen Abständen die Überschreitung der Co2-Grenzwerte mit sich bringt.


Sehen wir uns nun an, was der Energiemarkt im Hinblick auf die Elektromobilität in Südtirol zu bieten hat, und zwar mit Versorgung sowohl an öffentlichen als auch an Ladestationen in den Haushalten:

Angebote der Versorger für LADESTATION IM HAUSHALT (Tab.2)

Angebote der Versorger FÜR ÖFFENTLICHE LADESTATIONEN (Tab. 3)

Alperia und Enel sind die beiden wichtigsten Unterstützer der Elektrifizierungskampagne in Südtirol. Alperia insbesondere bietet ein "ALL INCLUSIVE"-Programm mit dem Angebot "WE DRIVE HOME" zu einem interessanten Preis an, welches für eine Monatsgebühr von 75 € unbegrenzte Ladungen an der am eigenen Wohnort installierten Ladesäule oder an den öffentlichen Ladesäulen ermöglicht. Auch Enel bietet eine Ladesäule für den eigenen Haushalt an, jedoch lediglich mit einem Vertrag nach Verbrauch, der sich nach dem aktuellen Strompreis für den jeweiligen Haushalt richtet. Enel bietet ein "ALL INCLUSIVE"-Programm nur für die Ladung an öffentlichen Ladestationen an. Dies bedeutet, dass Enel sicher derzeit im Vergleich zu Alperia weniger wettbewerbsfähig ist, was das Laden von Elektrofahrzeugen angeht.


Sehen wir uns jedoch auch den Vergleich zwischen Elektroauto und Fahrzeug mit konventionellem Benzinmotor an:

Vergleich Elektroauto-Benziner (Smart Fortwo) (Tab.4)

Vergleich Jahreskosten Elektroauto-Benziner (Smart Fortwo) (Tab. 5)

Beim Vergleich der Anschaffungs- und Unterhaltskosten für die beiden Fahrzeuge desselben Herstellers (Smart Automobiles) und desselben Modells (Smart Fortwo) fällt eine Zahl ins Auge, die zeigt, dass die Kostengünstigkeit noch nicht zur Elektromobilität gehört: Damit der Kauf vorteilhaft wird, müssen jährlich mindestens 25.000/30.000 km gefahren werden. Damit ist der Mythos widerlegt, wonach das Elektroauto – insbesondere dieser Größe – vor allem für Nutzer geeignet sei, die viel im Stadtverkehr fahren. Allerdings gibt es eine Alternative, wenn man nicht mehr als 20.000 km pro Jahr fährt und umweltfreundlich unterwegs sein will: Man kann auf ein Car-Sharing mit Elektroautos zurückgreifen, das sicher vorteilhafter ist.

Es muss gesagt werden, dass sich bei tiefen Temperaturen im Winter die Reichweite von Elektroautos um bis zu 40% verringern kann, sowohl wegen des Zusatzverbrauchs für Heizung, als auch wegen der bekannten Merkmale von Batterien bei solchen Temperaturen. Auch im Sommer steigt der Stromverbrauch der Elektroautos durch Nutzung der Klimaanlage erheblich – Faktoren, die die wahre Wirtschaftlichkeit der Elektroautos beeinträchtigen können.

Es zeichnet sich auch ab, dass die Stromverbräuche immer höher sein werden als von den Herstellern angegeben.
Dazu der Geschäftsführer der VZS, Walther Andreaus: „Bei den Ladekosten, vor allem an öffentlichen Stationen, muss eingegriffen werden. Sie sind ein wahrer Aderlass für den Verbraucher und bremsen die Entwicklung der Elektromobilität. Der VZS wendet sich daher mit der Forderung an die Parlamentarier, auf Maßnahmen zur Beseitigung dieser inakzeptablen Belastung zu drängen“.

 

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