Spielzeug - Sicher, gesund und umweltfreundlich?

 

Alle Jahre wieder, zu Weihnachten und den verschiedenen Geburtstagen stellt sich für viele von uns die Frage: Welches Spielzeug für mein Kind?

Die Verbraucherzentrale Südtirol hat eine 6-Punkte-Checkliste zusammengestellt, die Ihnen die Entscheidung für oder gegen ein Spielzeug erleichtern soll.

Kinder brauchen Spielsachen, für ihre Entwicklung und zum Erlernen und Erkennen ihrer Fähigkeiten. Spielzeug gehört zu den wichtigsten Anschaffungen, daher sollte der Kauf wohlüberlegt und durchdacht sein. Nehmen Sie sich Zeit und kaufen Sie nicht lieblos, was Ihnen gerade ins Auge sticht. Wählen Sie sorgfältig aus und bedenken Sie folgende Punkte:

 

  • Kinder brauchen Spielsachen, die ihrem Lebensalter entsprechen. Kleinkinder bauen besser mit großen Bauklötzen, Schulkinder sind geschickt genug, um auch mit kleineren Teilen umzugehen.
  • Spielsachen sollten langlebig, vielseitig und in verschiedenen Altersstufen immer wieder anders und neu verwendbar sein. Bestes Beispiel: der gute, alte Holzbaukasten ist bei Kindern bis weit in die Schulzeit hinein begehrt und beliebt.
  • Spielsachen müssen Kindern Spaß machen und beim “Begreifen” der Umwelt helfen. Dazu gehören auch Autos, grelle Farben und Kunststoffe, weil sie nun einmal einen Großteil unserer Spiel-, Arbeits- und Freizeitwelt ausmachen.
  • Die Fähigkeit und Lust zum Selbermachen soll geweckt werden. Kinder wollen nicht in eine vorgefertigte Spielzeugwelt abgeschoben werden, in der alles, was unsere Alltagswelt mitprägt, nicht vorkommt. Lassen Sie Kinder, wann immer möglich, mit "richtigen" Sachen Erfahrungen machen. Gönnen Sie Ihrem Kind den spielerischen Umgang mit Kochlöffel und Schraubenzieher, lassen Sie auch Buben kochen und Mädchen hämmern!
  • Von Spielsachen dürfen keine unmittelbaren Gefahren und Gesundheitsbelastungen ausgehen. Theoretisch ist die Sicherheit von Spielzeug bestens geregelt. Die EU hat dafür die Norm EN 71 erlassen und das CE-Zeichen geschaffen. Wer Spielzeug verkauft, muss das CE-Zeichen aufdrucken und garantieren, dass er sich an die Vorschriften hält. Fehlt das CE-Zeichen, lässt dies auf einen besonders sorglosen Hersteller schließen.
  • Bei der Herstellung und Entsorgung von Spielsachen sollte die Umwelt nicht mit Giftstoffen belastet werden. Beispiel Plastikpuppen und Action-Figuren: die meisten sind aus PVC, einem Chlor-Kunststoff, und Weichmachern hergestellt. Die Weichmacher werden dem PVC zugesetzt, damit es besonders weich und biegsam wird. Viele dieser Stoffe stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Überlegen Sie also beim Puppenkauf, ob es nicht auch eine Stoffpuppe sein kann.

Spielzeug war noch nie nur Zeug zum Spielen. Die Puppenstube unserer Eltern und Großeltern war Objekt zum Herzeigen, die Eisenbahn war eher Vater- als Kinderspielzeug. Nach so vielen Überlegungen ergibt sich nun die Frage:
 

Was tun?

Spielzeug, das Gewalt verherrlicht und Vorurteile verfestigt, ist abzulehnen. Erklären Sie ihrem Kind jedoch, warum Sie es ablehnen, denn Verbieten macht solches "Spiel"zeug nur noch interessanter.
 

Schwerpunkt Plastikspielzeug:

Heutzutage wird die Spielzeugwelt von grellbunter Plastikvielfalt beherrscht. Auch wenn die Hersteller Kindersicherheit und Schadstofffreiheit gewährleisten, so ist die Flut von Kunststoff in den Kinderzimmern unter ökologischen und gesundheitlichen Gesichtspunkten kritisch zu sehen. Daher einige Ratschläge:

 

  • Verzichten sie auf weiches Plastikspielzeug aus PVC. Beim Verschlucken kann es zu inneren Verletzungen kommen. Der Weichmacher wird durch Magen- und Darmsäfte aus dem PVC gelöst, zurück bleibt im Darm ein scharfkantiges Plastikteil zurück.
  • Kaufen Sie Teddybären und Plüschtiere aus Naturfasern (Mohair, Baumwolle), die gewaschen werden können. Waschen Sie das Plüschtier, bevor es das Kind bekommt. Danach gut an der Luft trocknen, damit sich keine Schimmelpilze breitmachen können. Nicht in die chemische Reinigung geben, weil sich die Chemikalien sehr lange in den Fasern halten.
  • Meiden Sie perfektes Spielzeug. Legen Sie sich frühzeitig auf ein Baukastensystem fest und teilen Sie dies schenkenden Großeltern und Verwandten mit. Wählen sie einfache Grundelemente mit wenig Zubehör, denn diese regen die Phantasie des Kindes an.

 

Schwerpunkt Videospiele:

Kinder beschäftigen sich mit Videospielen allein oder allenfalls zu zweit, und das lautlos und bewegungsarm. Zuviel Computerspielen ist für die Entwicklung eines Kindes sicher nicht gesund. Bestehen Sie daher auf Pausen, am besten im Freien, und auf das Spielen mit anderen Kindern, denn Bewegung in freier Natur hilft, Aggressionen und Frustrationen abzubauen.

 

Schwerpunkt Fahrspielzeuge:

Dazu gehören Dreiräder, Laufroller, Go-karts, Kinderfahrräder mit und ohne Stützräder. Kaufen Sie das Rad nur im Fachhandel und lassen Sie sich beraten. Achten Sie darauf, dass das Rad der Größe des Kindes angepasst ist und lassen Sie Verkehrstüchtigkeit und Bremsen mehrmals jährlich überprüfen. Am besten kaufen Sie mit dem ersten Fahrrad gleich den Helm dazu.
 

Schwerpunkt Brettspiele:

Das gemeinsame Brett- oder Gesellschaftsspiel ist zum Symbol für familiäre Kommunikation geworden, als Alternative zum passiven Medienkonsum. Bei Brettspielen ist auf die Inhalte, die Gestaltung und das Material von Spielfiguren und Verpackung zu achten, aber auch auf den Spielreiz, denn ein langweiliges Spiel kann die Inhalte nicht vermitteln. Aber auch ein "Umweltspiel" kann nicht auffangen, was im täglichen Leben versäumt wird. Deshalb sind umweltgerechtes Verhalten, gemeinsames Naturerleben oder kleinere Experimente immer lehrreicher als Brettspiele alleine.
 

Schwerpunkt Holzspielzeug:

Holz wird als natürliches und warmes Material von Pädagogen empfohlen. Dem Spielzeug aus unbehandeltem Vollholz ist der Vorzug zu geben. Bemalte oder lackierte Stücke müssen beiß- und lutschfest sein.
 

Schwerpunkt Farben, Modelliermasse und Klebstoffe:

Es sind viele gute, auch natürliche Produkte im Handel. Lassen Sie sich auf jeden Fall im Fachgeschäft beraten und über Inhaltsstoffe und Zusammensetzung aufklären. Modelliermassen und Salzteig lassen sich auch gut selber herstellen. Für Klebstoffe gilt: verwenden Sie Kleber ohne Lösungsmittel, geben Sie Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen wie Stärke den Vorzug und kaufen Sie große Flaschen zum Nachfüllen - Sie sparen damit viel Verpackung.
 

Und noch etwas zum Schluss:

Sorgen Sie für Platz, Zeit und Gelegenheit zum Spielen, auch für Bewegungsspiele im Freien, besonders für Schulkinder. Nehmen Sie Anteil am Spiel des Kindes und geben Sie dem Kind Raum und Zeit für Bewährung und Erprobung von Möglichkeiten und Fähigkeiten. Die industrielle Arbeitsweise brachte den Erwachsenen die Freizeit.
Schenken Sie den Kindern etwas von Ihrer Freizeit! Denn jedes noch so umweltverträgliche und kindgerechte Spielzeug kann niemals den echten und liebevollen Umgang miteinander ersetzen.

 

 

 

Stand
03/2014

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